So klappt's

mit der Mutter-Kind-Kur

Pünktlich mit dem Weckerklingeln aufstehen, Frühstück vorbereiten, die Kinder zur Schule bringen und zur Arbeit hetzen – so beginnt der stressige Alltag für viele Eltern. Nach dem Feierabend wartet dann der Einkauf, die Hausaufgaben wollen kontrolliert werden und ein Elternabend steht an. Mütter und Väter wissen bei all den Todo´s auf ihrer Liste nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht. Neben gesundheitlichen Folgen wie Migräne oder Rückenproblemen bleibt durch den Stress kaum unbeschwerte Zeit mit der Familie. An eine kleine Auszeit für sich selbst ist selten bis gar nicht zu denken. Eine gemeinsame Kur mit dem Kind kann Eltern helfen, wieder zu sich selbst zu finden und gleichzeitig den Kleinen etwas Gutes zu tun.

Deutschlandweit werden jedes Jahr mehr als 100.000 Eltern-Kind-Kuren bewilligt. Die Nachfrage steigt stetig, vor allem Mutter-Kind-Kuren sind sehr beliebt. Häufig ist die Kur allerdings mit manchen Hürden verbunden. Doch wer gut vorbereitet ist, kann den mühsamen Weg mit einigen Tipps erfolgreich meistern.

Schritt für Schritt zur Mutter-Kind-Kur:

Die wichtigste Voraussetzung für eine Kur ist, dass Eltern ihre dauerhafte Belastung bemerken. Ein stressiger Job, mit den Kindern zum Arzt und ganz nebenbei auch noch den Haushalt schmeißen ist für Mütter und Väter oftmals zu viel. Kein Wunder, dass sie sich müde, gereizt oder angespannt fühlen und einfach mal eine Pause brauchen.

Mit ihrem Hausarzt können Mütter und Väter in einem vertraulichen Gespräch darüber reden, was sie im Familienalltag am meisten belastet und welche Probleme daraus entstehen. Gemeinsam kann dann nach einer Lösung gesucht werden. Den Grund für den Kurbedarf sollte der Arzt im Attest so ausführlich wie möglich beschreiben. Das erhöht die Chancen für eine Bewilligung.

Kostenlose Kur-Beratungsstellen unterstützen Eltern ebenfalls auf dem Weg zur Kur. Diese finden sie zum Beispiel über das Müttergenesungswerk, die Caritas oder das Mutter-Kind-Hilfswerk. Mütter und Väter können dort über ihre Fragen und Erwartungen an die Kur sprechen. Die Kurberater greifen ihnen außerdem bei der Wahl einer geeigneten Klinik unter die Arme.

Sobald klar ist, dass eine Eltern-Kind-Kur die beste Option ist, müssen Eltern einen Antrag an ihre Krankenkasse stellen, damit diese für einen Großteil der Kosten aufkommt. Die notwendigen Formulare gibt es bei der Kasse oder den Kur-Beratungsstellen, welche Müttern und Vätern beim Ausfüllen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Der Antrag sollte dabei möglichst detailliert und vollständig sein, bevor er zusammen mit dem Attest vom Arzt an die Krankenkasse geht. Privatversicherte beantragen ihre Kur bei der Beihilfestelle.

Die Krankenkasse muss innerhalb von drei bis maximal fünf Wochen über den Antrag entscheiden. Bei einer positiven Rückmeldung steht als nächstes die Planung des Kurbesuchs an. Die Auswahl einer Klinik erfolgt in der Regel durch die Kasse und orientiert sich an der ärztlichen Diagnose. Um einen Termin kümmern sich die Eltern dann selbst oder mithilfe einer Beratungsstelle. Häufig hängt der Zeitpunkt der Kur von den freien Plätzen in den Einrichtungen ab.

Mütter und Väter haben ein Wunsch- und Wahlrecht bei der Eltern-Kind-Kur. Das bedeutet, sie können die Kur in einer nach ihren Bedürfnissen ausgewählten Klinik beantragen. Die Krankenkasse muss diesen Wunsch in der Regel berücksichtigen und darf ihn dann nur ablehnen, wenn die Einrichtung beispielsweise nicht im Versorgungsvertrag steht. Ob ein solcher Vertrag mit der Kasse besteht, kann direkt bei der Klinik erfragt werden.

Wer einen Kurplatz sicher hat, sollte umgehend seinen Arbeitgeber über Zeitpunkt und Dauer der Kur informieren. Dieser ist gesetzlich verpflichtet, Mütter und Väter für eine Kurmaßnahme freizustellen. Bei schulpflichtigen Kindern müssen Eltern außerdem frühzeitig mit der Schulleitung sprechen, damit auch das Kind freigestellt werden kann, sofern die Kur innerhalb der Schulzeit stattfindet.

Mutter Kind Kur Kliniken

  

Eine Übersicht verschiedener Kliniken geben das Müttergenesungswerk und die Arbeiterwohlfahrt.

Mutter Kind Kur Antragsformular

 

Formulare für den Kurantrag gibt es hier zum Download.

Mukiku Restplätze

 

Bei einer kurzfristigen Zusage für die Kur können Eltern hier freie Restplätze einsehen.

Tipps für die Antragstellung:

Grundsätzlich gilt für alle Eltern, die eine Eltern-Kind-Kur planen, die Devise: Hartnäckig bleiben!

Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Kurantrag zunächst nicht bewilligt wird, weiß Expertin Annina Dessauer von der Kurberatung Deutschland: „Viele Kuren werden je nach Bundesland in circa 15 bis 20 Prozent der Fälle erst einmal abgelehnt, teilweise aus nur schwer nachvollziehbaren Gründen. Dazu gibt es Briefe mit Standardbegründungen wie ‚ambulant vor stationär‘, ‚mütterspezifische Belastungsgrenze nicht erreicht‘ und weiterem Nonsens, der wenn man es so sieht, eigentlich doppelt rechtswidrig ist, insofern die Kur indikationsgerecht und fristgerecht als Pflichtleistung der Kasse gestellt wurde“.

Der Kurberaterin zufolge lohnt es sich, innerhalb von vier Wochen schriftlich Widerspruch gegen die Ablehnung einzulegen. Dafür ist es hilfreich, noch einmal zum Hausarzt zu gehen und sich ein zusätzliches Attest ausstellen zu lassen, welches Eltern zusammen mit dem Widerspruch an die Krankenkasse senden. Im Anschluss daran ist Geduld gefragt, denn die Zweitprüfung kann bis zu sechs Monate dauern. Immerhin ist ein Widerspruch laut dem Müttergenesungswerk in zwei von drei Fällen erfolgreich.

Auch bei einer Ablehnung der Wunschklinik können Eltern widersprechen beziehungsweise einen sogenannten Antrag auf Heilstättenänderung einreichen. Verschiedene Kliniken wie das Rehazentrum Bad Bocklet oder die Dr. Becker Klinikgruppe stellen dafür Musterformulare bereit. An wen der Widerspruch innerhalb welcher Frist zu richten ist, erfahren Mütter und Väter in ihrem Ablehnungsbescheid. Sinnvoll ist es dabei, den Widerspruch zu begründen und eventuell einen Alternativvorschlag zu nennen.

Wissenswertes rund um die Kur:

Eine Mutter-Kind-Kur ist kein Urlaub, sondern eine Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme. Zwar sollen Eltern während der Kur zur Ruhe kommen und sich vom Alltagsstress erholen. Das Ziel ihres Aufenthalts ist jedoch, ihnen über Beratungs- und Therapieangebote Wege aufzuzeigen, wie sie ihren Alltag langfristig stressfreier bewältigen. Häufig wird dadurch auch die Eltern-Kind-Beziehung gestärkt.

Nicht bei jeder Diagnose und für jede Familie ist eine Eltern-Kind-Kur das Richtige. Wie sinnvoll diese Maßnahme ist, hängt unter anderem von den Betreuungsmöglichkeiten ab. So fällt es manchen Kindern schwer, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Bei ihren Eltern sorgt dies während der Kur wiederum für zusätzliche Belastung, da sie ständig in Sorge um ihren Nachwuchs sind. Wichtig ist außerdem der schulische Aspekt: Mit schulpflichtigen Kindern ist eine Kur in den Ferien sinnvoll, da die Kleinen anschließend keinen Lernstoff nachholen müssen.

Eine Mutter-Kind-Kur ist kein Wunderheilmittel. Viele Eltern müssen sich erst einmal auf die Kur einstellen und lernen, Hilfe zuzulassen. Der kurze Aufenthalt in der Klinik allein reicht nicht aus, um sie dauerhaft zu entlasten. Vielmehr ist ein persönlicher Ausgleich wichtig. Dies kann eine Runde joggen, ein Telefonat mit der Freundin oder ein Spaziergang mit dem Hund sein. Entscheidend ist, dass Mütter und Väter für eine gewisse Zeit bewusst abschalten. Auch kleine Pausen können dabei schon wahre Wunder bewirken.

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