Frankreich zwingt Versicherungsgesellschaften zu Fairness

Restschuldversicherung auf Französisch

Wie sieht denn der typische französische Hausbesitzer aus? Er ist durchschnittlich 52 Jahre alt, wobei der erste Immobilienkauf mit 31 Jahren getätigt wird. 40 % aller Besitzer sind über 60 Jahre alt und nur ein Viertel ist jünger als 25 Jahre. Ganze 70 % kaufen zu zweit ein Haus und erstaunliche 85 % beantragen einen Kredit für die Finanzierung ihrer neuen vier Wände. Aber wie sieht es denn mit den Personen aus, die keinen Kredit beantragen können beziehungsweise dürfen? Seit vergangenem März ist es endlich soweit: die Kreditversicherung und daher auch der Kredit sind nun auch für diejenigen, die an Krebs gelitten haben, zugänglicher geworden, und das zu fairen Preisen. Alles über das sogenannte „Recht auf Vergessen“, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer besseren gemeinsamen Zukunft.

Liebe Leser, dieser Beitrag beschreibt die Situation in Frankreich. Die Lage in Deutschland wird unter Restschuldversicherung erläutert.

Die Kreditversicherung à la française

Einen Kredit zu bekommen ist keine leichte Sache, zumal die französischen Banken von ihren Kunden verlangen, strikte Kriterien zu erfüllen. Ein Kreditnehmer muss sich unter anderem beruflich und dementsprechend auch finanziell in einer sehr guten Situation befinden, er muss über ein sauberes Bankprofil verfügen und einen gesunden Lifestyle pflegen. Darüber hinaus sind gute Sparmöglichkeiten und ein minimaler Beitrag zur Baufinanzierung Voraussetzungen, um ein Bankdarlehen zu erhalten.

In Frankreich liegen Kredit und Kreditversicherung sehr nah beieinander. So nah, dass das eine nicht ohne das andere geht. Wer einen Kredit beantragt, muss eine Kreditversicherung abschließen, obwohl es rein rechtlich gesehen nicht obligatorisch ist. Seit 2010, als das Gesetz „Loi Lagarde“ in Kraft getreten ist, ist es ganz allein dem Kunden überlassen, ob er denn die Kreditversicherung bei seiner Bank abschließt oder das Angebot eines anderen Finanzinstitutes annimmt. Einzige Bedingung ist, dass die andere Kreditversicherung mindestens die gleichen Leistungen abdeckt wie die Versicherung der Hausbank. Dabei hängt der Tarif einer Kreditversicherung von mehrere Faktoren ab: Welche Leistungen werden im Vertrag vereinbart? Wie hoch ist der Kredit? Wie sieht das Profil des Kreditnehmers aus?

Hier ist es wichtig zu wissen, dass eine Restschuldversicherung obligatorische Leistungen, die bestimmte Risiken abdeckt, beinhalten muss, nämlich die Risiken, welche die Rückzahlung beeinflussen können: Arbeitsunfähigkeit, Invalidität und Todesfall. Tritt eines dieser Risiken tatsächlich auf, dann ist der Versicherer dazu verpflichtet, der Bank den restlichen Beitrag gänzlich auszubezahlen. Somit sind die Bank, der Kreditnehmer und seine Familie versichert. Folgende drei Risiken dürfen in einer Kreditversicherung nicht fehlen:

  • Vorübergehende und gänzliche Arbeitsunfähigkeit: Falls der Versicherte vorübergehend oder permanent nach einem Unfall/einer Krankheit nicht mehr fähig ist, zu arbeiten, dann hat er kein Einkommen mehr und kann daher auch nicht mehr für die Rückzahlung des Kredits aufkommen.
  • Permanente Teilinvalidität: Während der gesamten Invalidität des Versicherten sorgt der Versicherer für die Rückzahlung des Kredits.
  • Bei Todesfall des Versicherten zahlt die Versicherungsgesellschaft den gesamten Restbetrag der Bank zurück und zwar ab dem Tag des Todesfalls.

Einige Bankunternehmen verlangen manchmal zusätzlichen Schutz, sollte beispielsweise der Versicherte arbeitslos werden. Diese Leistung ist kein Muss, kann jedoch in manchen Fällen verlangt werden, zum Beispiel bei Kreditnehmer, die über einen befristeten Arbeitsvertrag verfügen.

Achtung: Bevor die Versicherung eingreift, wird immer eine bestimmte Frist festgesetzt und ein offizielles Dokument angefordert, zum Beispiel eine ärztliche Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit, ganz gleich, was vorgefallen ist.

Die Kreditversicherung bei krebskranken Menschen

In Frankreich leiden oder haben knapp 3 Millionen Menschen an Krebs gelitten und jedes Jahr wird die Krankheit an ca. 355.000 Fällen diagnostiziert. Da die meisten Versicherungsgesellschaften so einen Fall entweder zurückweisen oder nur zu einem sehr hohen Tarif akzeptieren, ist es kaum überraschend, dass krebskranke Menschen es schwer haben, einen Kredit zu beantragen. Aus diesem Grund tritt im März eine neue Rechtsordnung in Kraft. Das sogenannte „Recht auf Vergessen“ wird eingeführt und stellt somit den gesamten Immobilienmarkt auf den Kopf.

Das Recht auf Vergessen

Die wichtigsten Entscheidungsträger Frankreichs, darunter Präsident François Hollande, Bernard Spitz, Vorsitzender der FFSA (Verband der Versicherungsgesellschaften Frankreichs), Marisol Touraine, Ministerin für Gesundheit und Frauenrechte und Finanzminister Michel Sapin unterschrieben am 24. März 2015 das Übereinkommen über das „Recht auf Vergessen“. Zunächst einmal ist dieses neue Gesetz an Menschen gerichtet, die in ihrer Vergangenheit an Krebs gelitten haben, jetzt aber geheilt sind und einen Kredit beantragen möchten. Seit Ende März haben sie unter bestimmten Bedingungen das Recht, ein Kredit zu beantragen und zwar ohne Preiserhöhung. Dieses Gesetz besagt, dass diese Personen nicht mehr ausdrücklich erwähnen müssen, dass sie in der Vergangenheit an Krebs gelitten haben. So ist es der Versicherungsgesellschaft nicht mehr möglich, eine Mehrprämie zu verlangen. Nun werden sie so wahrgenommen wie jeder anderer Kreditnehmer auch, so lautet das Ziel von Präsident Hollande.

Wer kann von diesem Gesetz profitieren?

Es können zwei Gruppen von Menschen dieses Gesetz für sich beanspruchen:

  • Jene Person, die an einem Kinderkrebs (vor dem 15. Lebensjahr) gelitten hat, kann das „Recht auf Vergessen“ fünf Jahre nach erfolgreicher Beendigung der medizinischen Behandlung für sich beanspruchen.
  • Alle anderen Fälle müssen nach der Heilung mindestens 15 Jahre warten, um dieses Recht zu bekommen.

Der Genauigkeit halber wird gerade ein Leitfaden aufgestellt, der die unterschiedlichen Krebskrankheiten festlegt, um somit die Wartezeiten und Ansprüche so präzise wie nur möglich, von Fall zu Fall, bestimmen zu können.

François Hollande meint, dass dieses Übereinkommen nur der erste Schritt zu einem völlig neuen Immobilienmarkt sei und dass es sein Ziel sei, in Zukunft dieses Recht auch auf weitere Krankheiten anzuwenden. Bei einer Konferenz äußert er, dass das „Recht auf Vergessen“ ein Hoffnungsträger für all die Menschen sei, die eine schwere Krankheit überlebt haben oder gerade dabei sind, dagegen anzukämpfen. Somit will er ihnen zeigen, dass sie im Kampf ums Überleben gewinnen können.

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