Risikolebensversicherung: Raucher zahlen mehr

Wer das Rauchen aufgibt, kann bei einer Risikolebensversicherung 50 bis 70 Prozent sparen

„Rauchen kostet. Nichtrauchen kostet nichts!“ unter diesem Motto steht der 30. Weltnichtrauchertag in Deutschland. Wer raucht, muss neben den offensichtlichen Kosten für den Tabakkonsum, auch indirekte Mehrkosten, wie zum Beispiel höhere Gesundheitsausgaben oder eine verkürzte Rentenzeit, tragen.

Doch auch die Absicherung der Familie ist für Raucher erheblich teurer. Die im Durchschnitt um acht Jahre kürzere Lebenszeit lassen sich die Versicherer mit heftigen Aufschlägen vergüten. Eine Risikolebensversicherung kann dann bis zu zwei- oder dreimal so viel kosten, wie ein vergleichbarer Nichtrauchertarif.

Zu dieser Feststellung kommt auch die Stiftung Warentest in ihrem letzten großen Risikolebensversicherung Test (Finanztest 6/2017). Doch wie viel mehr kostet eine Risikolebensversicherung, wenn man Raucher ist? Hierfür haben wir uns die Angebote der größten Versicherer im Detail angeschaut.

Im aktuellen Test wurden Tarife für einen 35-jährigen Verwaltungsfachangestellten angefordert, der sein Leben in Höhe von 250.000 Euro für einen Zeitraum von 30 Jahren versichern möchte. Wir haben den Jahresbeitrag von fünf beliebten Gesellschaften für den Nichtraucher- und Rauchertarif miteinander verglichen.

Bis zu 1758 Euro Mehrkosten für Raucher

Quelle: Finanztest 6/2017, eigene Berechnung

In unserem kleinen Vergleich müssen Raucher bei der Allianz den heftigsten Aufschlag auf ihren Jahresbeitrag hinnehmen – ihre Versicherung kostet 270 % mehr als der Nichtrauchertarif, bei der Ergo ist der Aufschlag mit 105 % am geringsten. Die günstigste Risikolebensversicherung für Raucher bietet die Europa im Tarif E-RL (Standard) an, hier liegt der Jahresbeitrag aktuell bei 595 Euro.

Risikolebensversicherung für Raucher: Eine „Sterbewette“

Eine Risikolebensversicherung schützt Hinterbliebene vor finanziellen Risiken, die durch den eigenen Tod entstehen können. Da bei ihr nur das Todesfallrisiko abgesichert wird, also kein Kapital gebildet wird wie bei der Lebensversicherung, können Versicherer mit niedrigen monatlichen Beiträgen kalkulieren.

Dies gilt jedoch nicht für Raucher, bei denen es inzwischen Standard ist, dass sie bei der Risikolebensversicherung eine gesonderte Versicherungsgemeinschaft mit spürbar höheren Beiträgen bilden. Doch warum zahlen Raucher bei einer Risikolebensversicherung überhaupt mehr?

Raucher haben erhöhtes Sterberisiko

Wie eingangs erwähnt, sichert eine Risikolebensversicherung das individuelle Sterberisiko ab. Dieses ist bei Rauchern zwangsweise erhöht, wie erst letztens eine  britische Studie erneut herausgefunden hat. Wer 20 Jahre lang geraucht hat, hat ihr zufolge ein um 52 Prozent erhöhtes Sterberisiko.

Gesundheitsfragen in jedem Fall wahrheitsgemäß beantworten

Raucher sollten jetzt nicht der Schnapsidee anheim fallen, bei den Gesundheitsfragen ihr Laster zu verschweigen. Denn stellt die Versicherung im Nachhinein fest, dass die Gesundheitsfragen nicht ehrlich beantwortet wurden und der Versicherte in Folge des Tabakkonsums verstorben ist, kann sie die vereinbarte Todesfallleistung verweigern. Leidtragende sind hierbei der Personenkreis, der eigentlich geschützt werden sollte, in den meisten Fällen also die eigene Familie.

Heute das Rauchen aufgeben und in einem Jahr in einen günstigeren Tarif wechseln

Um sich als Nichtraucher versichern zu lassen, bleibt Rauchern folglich nur eine Option: Das Rauchen aufzugeben! Viele Assekuranzen bewerten nämlich all diejenigen, die es seit einem Jahr schaffen ohne Glimmstängel auszukommen, als Nichtraucher. In einigen Fällen muss die Abstinenz durch eine erneute Gesundheitsprüfung bestätigt werden. Sollte die Versicherungsgesellschaft dem Wunsch in einen Nichtrauchertarif aufgenommen zu werden, nicht nachkommen, lohnt sich der Wechsel des Anbieters.

Wieder mit dem Rauchen angefangen?

Wer mit dem Rauchen anfängt, ist verpflichtet dies dem Versicherer zu melden. Kommt der Versicherungsnehmer dem nicht nach, kann die Leistung gekürzt werden. Hier finden Sie Beispiele für Anträge zur Risikolebensversicherung.

E-Zigarette und Risikolebensversicherung: Ist ein Nichtrauchertarif möglich?

E-Zigaretten, also elektronische Verdampfungsgeräte, bei denen kein Verbrennungsprozess abläuft, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Viele Studien belegen inzwischen, dass dies eine risikoärmere Variante ist, Nikotin zu inhalieren.

Leider gibt es hierzu keine einheitliche Stellungnahme der Versicherer. Stichprobenartige Überprüfungen bei der DLVAG, der HUK oder Hannoverschen Leben zeigen: Die E-Zigarette wird bei einer Risikolebensversicherung genauso behandelt wie die konventionelle Zigarette. Alle „Dampfer“ müssen sich also (vorerst) als Raucher versichern lassen.

Problematisch sind auch andere Produkte zur Rauchentwöhnung, wie Nikotinpflaster, -sprays und
-kaugummis,  zu bewerten. Das schädliche Nikotin wird weiterhin dem Köper zugeführt. Das Abbauprodukt  Cotinin wird im Köper gebildet und kann aufgrund der langen Halbwertszeit leicht bei einer Obduktion nachgewiesen werden. Sollten Sie sich unsicher sein, ob Sie bei Abschluss einer Risikolebensversicherung als Raucher oder Nichtraucher zu klassifizieren sind, nehmen Sie den Rat eines unabhängigen Versicherungsexperten in Anspruch.

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: Wer nicht raucht, lebt nicht nur gesünder und damit länger, sondern kann auch bei der Risikolebensversicherung beträchtliche Summen sparen.